Medienecho 

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"Piratenromantik" - Züritipp, Christian Rentsch

"Roger! Roger!" - Züritipp, Peter Niklaus Trösch

20 Minuten



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  irene genhart, movie news:  

JOLLY ROGER

Once upon a time... Doch nein, so lange ist es gar noch nicht her, dass sich die Schweizer Radiolandschaft in grauer Monotonie präsentierte. Dann aber wurde dank Erfindung der UKW Radiomachen plötzlich kinderleicht und einige Helvetier kamen auf die Idee, dass es noch etwas anderes als Radio DRS geben könnte.

Wie Pilze schossen hierzulande Ende 70er Jahre sogenannte Piratensender aus dem Boden: Nicht Roger Schawinski, der in JOLLY ROGER zwar eine ganz wichtige Rolle spielt, sondern der klassischen Piratenfahne mit Totenkopf auf schwarzem Grund, umgangssprachlich "Jolly Roger" genannt, verdankt der erste Kino-Dokfilm des Schweizer Medienmannes Beat Hirt seinen Titel.

"Ein Kapitel Schweizer Mediengeschichte" lautet dessen Untertitel, man könnte aber auch: "Ein kleiner Schweizer Medienkrimi" hinschreiben. Denn bis Schawinski und seine Radio 24-Mannschaft triumphierend in die Limmatstadt einfahren und vom damaligen Stadtpräsidenten Thomas Wagner den Schlüssel zur "Festung Zürich" erhalten, liefern sich die Hüter alter Gesetze und die Forderer helvetischer Radiovielfalt ein heftiges Räuber und Poli-Spiel.

Altes Archivmaterial und neue Statements der Beteiligten pointiert zusammenfügend, packt JOLLY ROGER ein erfrischend galgenhumoriges Stück Schweizer Mediengeschichte auf die Leinwand. En passant - und das macht ihn erst recht spannend - schildert Hirts Film aber auch das leise Brodeln, das im Vorfeld des Zürcher Opernkrawalls 1980 das eruptive Erwachen der Schweiz ankündigt.

Regie: Beat Hirt. Dokfilm. Verleih: Mesch & Ugge AG.


  Neue Zürcher Zeitung, 19.11.2003, Nr. 269, S. 52:  

Zürcher Kultur
ras Stadler R.
Piraten der helvetischen Lüfte
Der Film "Jolly Roger" von Beat Hirt


ras. Ende der siebziger Jahre sahen (fast) alle ein bisschen wie Piraten aus: Man trug dicke Schnäuze und halblange Kopfhaare, deren Schnitt eher in der Tradition englischer als französischer Gartenpflege stand. Der Dokumentarfilm "Jolly Roger" von Beat Hirt handelt von diesen Zeiten, vor allem aber von jenen Piraten, die damals die staatliche Lufthoheit mit illegalen Radiotönen destabilisierten. Davon gab es damals etliche, doch in Erinnerung geblieben ist bloss einer: Roger Schawinski. Im November 1979 begann er, vom italienischen Pizzo Groppera aus die Schweiz und insbesondere Zürich mit Pop- und Rockmusik einzudecken - mit dem damals stärksten UKW-Sender der Welt, wie er im Film sagt. Es folgte ein vier Jahre dauerndes Katz-und-Maus-Spiel mit Justiz und Polizei, bis vor zwanzig Jahren Privatradios offiziell vom Staat zugelassen wurden.

Beat Hirt schildert diese kleine Revolution im Äther, die das absehbare Ende des SRG-Monopols beschleunigte und erhebliche Langzeitwirkung in publizistischer Hinsicht hatte, anhand von reichlichem Filmmaterial aus dieser Zeit. Er beschaffte dieses bei privaten Filmern und in den Archiven der SRG. Der Zustand des Materials der privaten Kameraleute war offenbar teilweise miserabel; aufwendige Restaurationsarbeiten waren nötig, schreibt Hirt im Begleittext zu seinem Film. Er sei aber weder von SF DRS noch vom Bundesamt für Kultur finanziell unterstützt worden. Auch Schawinski verhielt sich laut Hirt lange reserviert.

Hirt, ehemals Chefredaktor von "Tele" und Mitarbeiter von DRS"3 und heute Inhaber einer Produktionsfirma, realisierte einen soliden, gestalterisch nicht auffallenden Film, der die damaligen und heute immer noch aktiven, sichtlich älter gewordenen Protagonisten und Antagonisten in Szene setzt: Neben dem talentvoll agitierenden Hauptdarsteller Schawinski sind dies unter anderen Armin Walpen, Frank Baumann, Markus Gilli, Röbi Koller, Hans-Heinrich Coninx und Christian Heeb. Rückblickende Gespräche etwa mit dem damaligen Medienminister Leon Schlumpf ergänzen das historische Material. Nicht zu sehen ist allerdings Hans Kopp, der damals im Auftrag des Bundes eine Mediengesamtkonzeption entwarf.

Hirts Film - dessen Titel auf die klassische Piratenfahne anspielt - hat durchaus Unterhaltungswert. Die damaligen K(r)ämpfe um die Liberalisierung der elektronischen Medien wirken aus heutiger Sicht eher kurios, und entsprechend entdeckt man in den präsentierten Archivaufnahmen etliche Situationskomik. Anschaulich wird zudem, wie zeitbedingt audiovisuelle Präsentationsweisen sind. Was damals artige Praxis war, wirkt heute teils absurd, teils lächerlich. Der Zeitgeist ist ein sich schnell wandelndes Wesen. Auch das macht der Film deutlich. Kinostart: 20."November.



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